Dienstag, 20. Februar 2018

Sieben Wochen nackt

Nackt einkaufen. Das ist meine Mission für die Fastenzeit 2018.
Eine Woche habe ich schon hinter mir. 
Hier meine Erfahrungen:
Ich kaufe weniger.
Ich erfülle einen Bildungsauftrag.
Ich kaufe viel Glas.

Dienstag, 19. Dezember 2017

Ein Jahr danach

Am 19. Dezember 2016 war ich mit ein paar meiner Kinder auf dem Weihnachtsmarkt.
Ich postete ein Foto von uns auf Facebook und bekam kurze Zeit später besorgte Anfragen: "Anni, wo seid ihr? Geht es euch gut? Ihr seid hoffentlich nicht am Breitscheidplatz?"
Das war der Moment, in dem ich von dem Attentat erfuhr, bei dem zwölf Menschen ahnungslose Besucher des Weihnachtsmarktes ihr Leben verloren.
Matthias und ich trommelten Helfer zusammen. Wir machten heiße Getränke fertig und stiegen in den Einsatzwagen der Heilsarmee um an den Ort des Anschlags zu fahren. Seelsorge und ein bisschen äußere Wärme wollten wir denen anbieten, die an diesem eiskalten Abend von dem unvermittelten Angriff erschüttert wurden. Während wir auf unseren Babysitter warteten schrieb ich in mein Tagebuch: "Wir haben euch lieb, Kinder. Egal, was passiert."
Würde es noch Folgeattentate geben? Der Täter war flüchtig. Würden er oder eventuelle Mittäter versuchen, noch weitere Menschen zu schädigen?
Es war bedrückend, durch die immer leerer werdenden Straßen zu fahren. Irgendwann passierten wir eine von Polizisten mit Maschinengewehr bewachte Menschenmenge, dann leergefegte Straßen, auf denen überall Blaulicht blinkte.
Dazwischen Weihnachtsglanz. Die Straßen geschmückt mit Lichterketten.
Auf dem Breitscheidplatz der große Baum und bunte Buden.
Wir kamen in die abgesperrte Zone, mussten warten, wurden weitergeleitet, mussten wieder warten.
Weil die Betroffenen selbst bereits von anderen Organisationen versorgt wurden, teilten wir ein paar Becher Tee an Pressevertreter aus, die Kabel und Kameras durch die kalte Nacht trugen. Dann fuhren wir weiter, kamen mit ein paar Menschen vor Ort ins Gespräch, versorgten noch einen Obdachlosen in einer Nebenstraße und kehrten heim. In dieser Nacht wurde unsere Hilfe nicht weiter gebraucht.
Zumindest nicht die praktische Hilfe. Denn in der Wartezeit beteten wir sozusagen "ohne Unterlass". Eine Gebetsgruppe hatte sich zusammengefunden, wir tauschten uns über WhatsApp aus und bestürmten Gott, den Opfern, die verletzt waren, zu helfen. Den Angehörigen der Toten beizustehen. Die Rettungskräfte und Notfallseelsorger zu stärken. Den Täter aufzuhalten.
Am nächsten Tag fuhr der Einsatzwagen wieder hinaus, und diesmal gab es viele Gespräche. Es flossen Tränen, die Grausamkeit des Anschlags ließ die Menschen fassungslos.

Ein Jahr später feiern wir wieder Weihnachten, genauso selbstverständlich wie 2016.
Nichts hat sich geändert. Weder in der Welt, die immer noch täglich von Krieg und Terror zu berichten hat, noch auf den Weihnachtsmärkten mit ihren Glühweinbuden und Lebkuchenherzen.
Durch die Straßen laufen Menschen mit froher Erwartung und Menschen mit schwerem Herzen.
So war es 2016, so ist es 2017. Vielleicht wird es auch 2018 so sein.
Und so war es auch zu dieser Zeit in Israel - um welches Jahr und welchen Monat genau es sich auch immer gehandelt haben mag - als Maria schwanger nach Bethlehem unterwegs war.
Es war finster in der Welt, und über dem Leben schwebte, immer präsent, der Hauch des Todes.
Wir können uns dem nicht entziehen.

Aber was wir spürten, als wir im Einsatzwagen schweigend durch die abgesperrten Straßen fuhren, die Wolke von Tod und Trauer beinahe greifbar um uns herum, war: Gott ist das Leben. Jesus Christus ist Gott, der als Mensch in das Dunkel eintaucht. Der dem Tod entgegentritt, und der die Macht hat, ihn für immer zu verbannen, wenn es an der Zeit ist.

"In ihm (Jesus) war das Leben, und dieses Leben war das Licht der Menschen. Das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht auslöschen können." Johannes 1,4-5, Die Bibel (NL)

Auch das ist Weihnachten. Ich bete, dass Gott die Menschen tröstet, die jetzt das Gefühl haben, in undurchdringlicher Finsternis zu sein. Die von Trauer erdrückt werden.

Sein Licht scheint in die Finsternis, und die Finsternis kann es nicht auslöschen.

Sonntag, 17. Dezember 2017

(Er-)Kennst du mich nicht?

Heute Morgen war ich im Gemeindesaal damit beschäftigt, Stühle zu stellen.
Unser Gottesdienst, der normalerweise sonntags um 10.30 Uhr stattfindet, wird ausnahmsweise auf 15 Uhr verschoben - wir haben unsere Gemeindeweihnachtsfeier.
Während ich im Halbdunkel vor mich hin arbeite öffnet sich plötzlich die Tür, und eine junge Frau kommt herein. Sie sieht sich verwirrt um, zieht die Kopfhörer aus ihren Ohren und fragt auf englisch: "Ist heute kein Gottesdienst?"
Mein Gehirn fängt an zu rattern.
Ich bin mir eigentlich recht sicher, die junge Frau zu kennen. Ich kenne ihren Namen, weiß, dass sie seit ein paar Wochen in unsere Gemeinde geht und mit den anderen Mädchen in ihrem Alter zum Hauskreis geht. Ich weiß, dass sie bei den Singaktionen auf der Straße mitmacht, und dass sie eine von nur zwei Frauen mit dunkler Hautfarbe in unserer Gemeinde ist.
Aber: ich bin mir nur FAST sicher.
Denn an normalen Sonntagen trifft sich am Nachmittag noch eine andere Gemeinde in unserem Saal. Weil wir heute zu deren Gottesdienstzeit Weihnachtsfeier haben, hatten sie überlegt, ob sie dafür vormittags die Räume nutzen. In diese Gemeinde kommen sehr viele Menschen mit dunkler Hautfarbe, und nun bin ich mir unsicher, ob sie nicht eine von ihnen ist.
Schließlich ist es eine ungewöhnliche Uhrzeit, um zu unserem Gottesdienst zu kommen. Der hätte - wenn er wie normal stattfinden würde - schon vor einer Stunde begonnen.
Ist sie also die Frau uns unserer Gemeinde, für die ich sie halte und kommt theoretisch zu spät - oder ist sie jemand aus der anderen Gemeinde?
Ich erkläre ihr vorsichtig, dass unser Gottesdienst heute ausfällt und wir dafür um 15 Uhr feiern.
Und dann mache ich den Fehler.
Ich frage sie gerade heraus, ob sie zu unserem Gottesdienst kommen wollte oder zu dem anderen.
Die Entgeisterung steht ihr klar ins Gesicht geschrieben.
Wie kann ich sie nicht erkennen? Sie sei doch die einzige "dunkle" Frau in unserer Gemeinde?! (Das sagt sie so - aber es stimmt nicht ganz. Es kommen immer wieder verschiedene Leute mit allen Schattierungen in der Hautfarbe. Das liebe ich an unserer Gemeinde.)
Ich entschuldige mich wortreich und von Herzen und erkläre ihr, dass ich schon weiß, wer sie ist und auch weiß, mit wem sie befreundet ist und wo sie sich engagiert... aber offensichtlich haben wir uns noch nicht oft genug ganz persönlich unterhalten, so dass mir ihr Gesicht noch nicht so vertraut ist.
Als sie weggeht fühle ich mich wirklich schlecht.
Ich weiß, wie wichtig es Menschen ist, gekannt zu werden. Als Pastorin möchte ich auch alle meine "Schäfchen" kennen. Aber ich merke, dass die Gemeinde nun langsam so groß ist, dass ich eben doch ab und zu ins Grübeln komme.
Zum Glück kann das Gott nicht passieren. Er kennt uns ganz genau...
Aber geht es nicht genau darum an Weihnachten?
Darum, wie gut wir ihn kennen?
Viele Menschen kennen Gott vom Hörensagen. Sie haben gehört, was angeblich in der Bibel steht (selber gelesen haben sie es aber häufig nicht). Sie haben gehört, wie Gott angeblich ist, was er tut oder besser, was er ihrer Meinung nach tun sollte, aber eben gerade nicht tut.
Sie meinen, genug über Gott zu wissen, um ihn be- oder verurteilen zu können.
Aber kennen sie ihn wirklich?
Kennst du ihn? Kenne ich ihn? Kann man Gott überhaupt kennen?

Gott. Der Schöpfer, die allmächtige Kraft im Universum, die geheimnisvolle Macht, die das Schicksal der Menschen lenkt... ist er nicht unnahbar und mysteriös, zu hoch für den menschlichen Verstand?
Ja. Ist er.
Aber es war nicht immer so. Am Anfang - nachzulesen im 1. Buch Mose, Kapitel 1 und 2, lebten die Menschen im Garten Eden mit Gott zusammen. Er hatte sie eigenhändig nach seinem Ebenbild geschaffen und begegnete ihnen auf Augenhöhe. Dann rebellierten die Menschen gegen ihn und mussten den Garten verlassen.
Danach wurde es für lange Zeit eine komplizierte Beziehung zwischen Gott und den Menschen. Sie wussten, dass es ihn gibt. Sie kannten ihn vom Hörensagen. Ein paar Menschen hatten engeren Kontakt zu ihm, hörten auf ihn, begegneten seinen Boten oder hörten seine Stimme.
Aber Gott wohnte nicht mehr direkt  mit ihnen zusammen. Er schuf Begegnungspunkte, blieb aber irgendwie unnahbar.

Bis zu dieser Nacht, an die wir uns zu Weihnachten erinnern. Als es dunkel und ungemütlich war und die Menschen dachten, Gott hätte sie vergessen.
Da tat Gott, was er seit Langem beschlossen hatte, und was vor Jahrhunderten angekündigt wurde: Er kam zur Welt.
Gott, der geheimnisvolle, der unnahbare, der mächtige und heilige Gott. Er wird ein Mensch.
Er wird es ein kleines Baby, das man anschauen und halten kann. Ein Kind, vor dem keiner Angst hat, und das doch selbst Könige dazu bewegt, es ehrfürchtig anzubeten.
Ein Kind, das sich Zeit nimmt, erwachsen zu werden. Ein Mensch, der in staubigen Schuhen durch die Gegend zieht, um Menschen zu begegnen.
Gott, der mächtige, zeigt sein Gesicht. Gott, der heilige, wächst unter Menschen auf und lässt sie staunen. Gott, der unnahbare lässt sich berühren.
Das ist Weihnachten.

Lass dich doch in diesem Jahr mit dieser Begegnung beschenken. Nutze die Weihnachtszeit, um Gott kennen zu lernen. In der Bibel, im Neuen Testament*, findest du Texte, die von der Geburt Christi berichten. Wenn du sie liest, machst du dich auf den Weg zur Krippe.
Du fängst an, den Gott kennen zu lernen, der dich unendlich liebt, der dich besser kennt als dein bester Freund, und der sich danach sehnt, dass du ihn auch (er-)kennst.

Ich wünsche dir die fröhlichste Weihnacht deines bisherigen Lebens!

*Leider ist die deutsche Fassung der Webseite www.bibelserver.com, auf die ich verlinken wollte, gerade nicht nutzbar. Wenn du eine Bibel hast findest du die Texte von Jesu Geburt am Anfang des Matthäusevangeliums und des Evangeliums nach Lukas. Auch Johannes erzählt davon, wie Gott Mensch wurde.



Mittwoch, 27. September 2017

Auf dem Holzweg bleiben

Ich glaube, dass es Gott gibt. Ich glaube, dass er mich durch und durch kennt und Einfluss hat auf das, was ich erlebe. Ich glaube, dass er sich für mich persönlich interessiert und, dass er weiß, wohin mein Lebensweg führt.
Ich glaube, dass er mir Wegweiser gibt, mich schützt und herausfordert. Dass er mir nicht alles Schwere abnimmt, sondern mich auch mit harten Zeiten konfrontiert. Dass ich selber entscheiden kann, ob ich seinen Weg gehe oder mein eigenes Ding mache. Dass er mir die Freiheit lässt, mich von ihm zurück zu ziehen, aber immer für mich erreichbar sein wird, wenn ich seine Nähe suche.
Ich glaube, dass Gott keine abstrakte, anonyme Kraft im Universum ist, sondern ein Gott, der sich mir persönlich in der Bibel vorstellt. Den ich mit meinem Verstand noch nicht erfassen, aber mit all meinen Sinnen erleben kann. 
"Wenn du da mal nicht auf dem Holzweg bist!", denkt der ein oder andere wahrscheinlich.

Freitag, 3. März 2017

Frühblüher, Babys und andere unerwartete Dinge


Manchmal fange ich an zu schreiben, und plötzlich erzählt sich mir eine Geschichte.
Ich habe mich an die Tastatur gesetzt und wusste, in welche Richtung das Kapitel gehen sollte, das ich tippen wollte. Und auf einmal fängt ein Gedanke an zu wachsen, ich schreibe, und staune am Ende selbst, was sich da entwickelt hat.
Draußen ist Frühling. Streng genommen noch immer Winter, aber es ist März, und die Sonne scheint.
Ich war heute Morgen auf dem Weg ins Büro, als mein Blick auf die grünen Sprosse von Krokus, Narzissen und Tulpe fiel, die in unserem Quasi-Beet neben der Eingangstür wachsen. Ich liebe Frühblüher, und habe mich schon darauf gefreut, dass sich da in den nächsten Tagen sicher ein paar Blüten öffnen.
Heute Mittag ging ich wieder an dieser Stelle vorbei, und was sehe ich? Lila Krokusse, die in der Sonne leuchten. Unglaublich, ich hätte nie gedacht, dass es heute schon soweit ist!
Meine Dahlien- und Lilienzwiebeln dagegen, die ich im letzten Frühjahr in die Erde gegraben habe, haben leider keine Anstalten gemacht, jemals zu wachsen. Ich habe den ganzen Sommer darauf gewartet, aber sie haben es nicht bis zur Blüte geschafft.
Damit komme ich schon wieder ins Sinnieren über das Leben im Allgemeinen, denn es ist doch so: Manche Dinge sehne ich mir so herbei, strenge mich an, um sie zu erreichen - aber sie wachsen einfach nicht. Anderes dagegen passiert, einfach so, vollkommen überraschend. Manchmal viel besser, als ich es mir hätte ausdenken oder erarbeiten können.
Heute ist Freitag, und am Freitagnachmittag steht in unserer Gemeinde die Kinderstunde auf dem Programm. Ungefähr fünfzehn Kinder zwischen drei und sechs Jahren kommen, um herum zu toben, zu basteln und eine Geschichte aus der Bibel erzählt zu bekommen. Heute dreht sich alles darum, dass Sara schwanger wird. Ja, es steht schon seit Wochen in meinem Programm: "3.3., Sara wird schwanger" (Sara B., ich würde dich in diesem Beitrag markieren, wenn es Facebook wäre ;)).
Es geht natürlich um Abraham und Sara (Die Geschichte ist in der Bibel zu finden, im 1. Mose 18,1-14). Gott hatte Abraham (der damals noch Abram hieß) versprochen, dass er der Vater eines großen Volkes werden würde, das im Gebiet von Kanaan leben wird. Abraham hatte echt großen Respekt vor Gott und hat ihm eine Menge zugetraut - aber das war schon eine harte Nuss. Er war nicht mehr der Jüngste, und seine Frau auch nicht. Sara hatte die Hoffnung, jemals Kinder zu bekommen, schon längst aufgegeben. Also überlegten sich die beiden eine Möglichkeit, wie sie Gott helfen könnten, sein Versprechen einzulösen. Ihre Idee: Abraham schläft mit der Magd seiner Frau, und das Kind zählt dann quasi als das ihre. Puh... der Plan geht erstmal auf, aber - welche Überraschung - es ergeben sich auch eine Menge Probleme daraus, die selbst in unserer heutigen Zeit noch Auswirkungen haben. Und Gott? Macht sein Versprechen trotzdem wahr. Sara bekommt ein Kind, obwohl sie eigentlich wirklich viel zu alt dafür ist. Und aus dieser Linie geht im Laufe der Geschichte tatsächlich ein großes Volk hervor.
Für mich sind diese Geschichten in der Bibel keine seltsamen Märchen. Ich habe selber schon des Öfteren erlebt, dass Gott Mittel und Wege hat, die ich mir nicht hätte träumen lassen (und dabei geht es nicht zwangsläufig um Babys ;)).
Wenn er ein Versprechen gibt, dann hält er es auch. Er braucht dazu nicht meine übereifrige Mithilfe... im Gegenteil. Er erwartet, dass ich ihm vertraue. Er zeigt mir, wenn ich etwas aktiv tun soll - aber oft darf ich auch einfach meine normale Arbeit tun und abwarten, was er daraus macht.
Jemand hat mal die Geschichte von einem Menschen erzählt, der Getreide gepflanzt hat, und dann an den grünen Spitzen zog, damit sie schneller wachsen. Jeder weiß, dass das Quatsch ist. Aber trotzdem machen wir es mit verschiedenen Dingen in unserem Leben so, weil wir denken, dass es schneller gehen müsste.
Vielleicht inspiriert dich der Frühling ja auch, mal mit Gott über die Dinge zu reden, die du in diesem Jahr gern wachsen sehen würdest?

Donnerstag, 2. März 2017

Unsterblich

Ich mache mir mal wieder Gedanken um die eigene Sterblichkeit.
Nicht panisch, sondern eigentlich einfach nur realistisch. Ich darf das, ich bin 36 - ein ziemlich beliebtes Sterbealter 2015/2016 bei berühmten Persönlichkeiten, und auch meine Freundin ist mit 36 Jahren gestorben.
Als ich Teenie war, habe ich mich oft gefragt, wie es wohl wäre, zu sterben. Damals dachte ich, dass es nicht schlimm wäre, wenn ich selbst gehe. Viel schlimmer hätte ich es gefunden, einen engen Angehörigen zu verlieren. Ich glaube, dass ich schon mein Leben lang fest davon ausgehe, dass der eigene Tod nicht schlimm ist, sondern der Beginn eines neuen Lebens. Wenn ich mich irren sollte, und der Tod einfach das Ausknipsen des Lebens ist, dann werde ich mich über diesen Glauben auch nicht mehr ärgern müssen :).
Jetzt spielt aber eine andere Komponente in die Überlegungen hinein - nämlich, die Komponente der Verantwortung.
Ich bin mittlerweile eine Frau, die ziemlich fest mit einigen ganz besonderen Menschen verknüpft ist: mit einem Ehemann und sechs Kindern. Die würde ich ja quasi "im Stich lassen", wenn ich sterbe, und DAS ist der Gedanke, der mir am meisten zu Knabbern aufgibt. Meine jüngste Tochter ist noch nicht einmal alt genug, um sich an mich zu erinnern, wenn ich jetzt "abberufen" würde. Eine echt traurige Vorstellung für mich. Würde sie wissen, wie schrecklich lieb ich sie habe? Ich hoffe, dass die größeren Kinder (und mein Mann ;)) das schon verinnerlicht haben. Sie sind groß genug, um ihre Mama im Ernstfall nicht ganz zu vergessen. Das ist nicht wichtig für mich, aber bestimmt für sie. Wie würden sie klar kommen? Naja, ich traue es ihnen schon allen zu, dass sie zurecht kommen und vielleicht auch einen Ersatz für mich finden würden :).
Vor allem traue ich es Gott zu, dass er für sie sorgt, so wie er es auch jetzt schon die ganze Zeit tut. Sorgen muss ich mir also eigentlich nicht machen, aber ersparen würde ich es ihnen schon gern. Soweit es an mir liegt.
Der Punkt ist aber, dass mir einfach sehr bewusst ist, wie endlich das Leben auf der Erde ist.
Mein Körper lässt mich auf die ein oder andere Weise spüren, dass er nicht mehr taufrisch ist.
Und Unfälle, von denen man hört, plötzliche Todesfälle wie der meiner Freundin: all das macht mir eindrucksvoll klar, dass wir nicht unvergänglich sind.
Wenn ich mein Leben bisher so anschaue, dann finde ich, dass es eigentlich prallvoll war und ist.
Ich hab alles, was ich mir für ein erfülltes Leben wünschen würde. Ich bin glücklich.
Es gibt nichts, was ich unbedingt noch tun müsste.
Klar, zum Glück habe ich noch viele Ideen und Projekte, die ich gern verwirklichen würde.
Ich schreibe an einem Buch, das ich wirklich gern veröffentlicht haben möchte - wenn die Welt es braucht ;).
Ich habe Freunde, die ich begleiten möchte, möchte meine Kinder aufwachsen sehen, und, ehrlich gesagt, möchte ich auch noch die Welt verändern :D.
Keine Sorge also, dass ich über das Sterben sinniere, weil mir danach zumute wäre.
Es gehört nur eben zum Leben dazu, deshalb finde ich, sollte man ruhig mal darüber nachdenken.
Letztendlich freue ich mich darauf, irgendwann Jesus Christus persönlich zu sehen und überwältigt davon zu sein, wie umfassend das Universum und unsere Existenz in Wirklichkeit sind.
Aber bis es soweit ist, will ich mein Leben nutzen.
In der Dokumentation "Transformations" wird ein Pastor zitiert, der im Zuge seiner leidenschaftlichen Arbeit für Gott getötet wurde. Seine Frau erzählt, dass er immer sagte: "Ich bin so lange unsterblich, bis mein Auftrag hier erfüllt ist."
Ich liebe diese Aussage und möchte in genau diesem Bewusstsein leben.

Mittwoch, 1. März 2017

Alle Jahre wieder...

Okay, keine Sorge. ich habe Weihnachten nicht verpasst, obwohl ich ja zugeben muss, dass ich leider den Adventskalender nur bis zum 11. Türchen durchgezogen habe. Asche auf mein Haupt.
Aber jetzt schreiben wir schon seit Wochen das Jahr 2017, und die Osternaschereien liegen langsam gerechtfertigt in den Süßwarenregalen der Supermärkte.
Alle Jahre wieder.. Genau! Beginnt die Fastenzeit!
Heute, am Aschermittwoch, geht es los.
Sieben Wochen ohne.
Ohne was eigentlich? Ich habe in meinem langen Leben schon verschiedene Fastensachen ausprobiert. Los ging es mit Süßigkeiten, als ich Teenie war. Das fand ich nicht sonderlich schwer und habe es ziemlich oft gemacht. Höhepunkt dieser Art zu "fasten" - eigentlich ja nur, auf eine Kleinigkeit zu verzichten - war dann immer die Osternachtswanderung, die wir als Jugendliche unternommen haben. Punkt Mitternacht wurden dann die Bonbons und Schokoriegel aus dem Rucksack gekramt: Ostern! Jesus ist auferstanden, und die Freude kehrt ins Leben zurück! Eine süße Erfahrung.
Später habe ich mal auf Koffein, mal auf Fleisch verzichtet. Und in einem Jahr habe ich versucht, "Meckern" zu fasten. Sprich: ich habe mir Mühe gegeben, meine armen Kinder nicht anzumotzen. Eigentlich traurig, dass das etwas ist, worauf ich bewusst verzichten musste. Wäre ja schöner, wenn ich es sowieso nie tun würde.
In diesem Jahr - dem fortschrittlichen, technikdurchfluteten, immererreichbar 2017 - werde ich wieder etwas nicht Essbares fasten: Die ständige Erreichbarkeit.
Gar nicht so eine leichte Entscheidung für mich, weil ich schon von Berufs wegen viel mit WhatsApp und anderen Medien arbeite, die sich gut für Terminabsprachen, schnelle Mitteilungen und auch als "Kummerkasten" eignen. Ich merke aber, dass mich diese Kurznachrichten, die möglichst schnell mit dem passenden Icon oder einem netten Text beantwortet werden wollen, ziemlich stressen. Ich möchte, dass die Menschen spüren: Sie zählen für mich. Mich interessiert, was sie bewegt.
Aber manchmal schaffe ich es nicht, alle Anfragen zeitnah zu beantworten. Manchmal lese ich den Text, bete für das Anliegen, überlege mir, wann ich mir die Zeit nehmen will, in Ruhe zu antworten - und schaffe es dann doch nicht schnell genug, sichtbar zu reagieren. Das stresst den Anderen und mich.
Also versuche ich es mal sieben Wochen ohne.
Wundert euch also nicht, wenn die beiden Haken nicht blau werden. Ich hoffe, dass ich nicht nachschaue, wer versucht hat mich zu kontaktieren :).
Ruft mich einfach an. Oder lasst es klingeln, ich bin ein Zurückrufer :).
Mal schauen, was die sieben Wochen so bringen. Theoretisch müsste ich jetzt Zeit haben, Postkarten und Briefe zu schreiben, wie in alten Zeiten.
Oder anzurufen, und Dinge direkt, persönlich zu klären - wow!
Es klingt banal, aber ich glaube, es wird spannend. Back to the Vergangenheit - ich bin bereit.
PS: Bitte schenkt mir auch keine Schokolade, die vor dem 16.4. 17 abläuft. Süßkram steht auch auf meiner Liste.
Viel Spaß euch, was auch immer ihr fastet: Macht gute Erfahrungen und vergesst nicht den wahren Grund für "Sieben Wochen ohne" :)!
PS: Eben habe ich entdeckt, dass die Evangelische Kirche genau das zum Fastenmotto 2017 gemacht hat. Ich bin wohl nicht die Einzige, die auf solche Gedanken kommt :D.