Freitag, 23. März 2018

Das Naturarier-Label

Mein Toilettenpapier hat nicht geantwortet.
Wie schade! Kurz nachdem ich die Mail abgeschickt hatte erreichte mich eine automatische Rückantwort, dass man sich um meine Frage kümmern würde. Da das mittlerweile mehr als zwei Wochen her ist scheint die Frage wirklich ausgesprochen kompliziert zu sein.


Es liegen jetzt schon fünf ein halb Plastik freie Wochen hinter mir, und mir sind zwei Dinge klar:
1. Es nervt, wie schwierig es ist, ganz normale Dinge in ganz normalen Läden zu finden, ohne Plastik zu kaufen.
2. Ich werde auch nach der Fastenzeit nicht einfach zum Plastikwahn zurückkehren können, denn es macht mich verrückt, was wir unserer Umwelt damit antun.

Es gibt Menschen, die absolut konsequent und unter größtem Einsatz von Zeit und Geld ihr Leben frei von Plastik halten.
Das finde ich toll, aber ich kann und will nicht so viel investieren. Erstens, weil ich arbeiten gehe und nebenbei eine sechsköpfige Kinderschar versorgen darf: Da fällt der Faktor Zeit schon mal knapp aus.
Zum anderen, weil ich denke, dass das nur  bedingt etwas bringt. Natürlich, es bedeutet, dass ICH einen Unterschied mache, vielleicht andere Menschen inspiriere oder zum Nachdenken bringe. Ich spare Plastikmüll, und das ist ein guter Tropfen in dem großen Fass. Aber es hilft nicht wirklich, an der Verpackungsmoral im Allgemeinen etwas zu ändern.

Ich mache die Erfahrung, dass Plastik sparen im Alltag definitiv machbar und auch nicht so schwierig ist, wie manche meinen. Aber es ist auch nicht so einfach, dass es mir gelingen würde, all meine Freunde von dieser Lebensweise zu begeistern.
Da fällt mir ein: Wie nennt man sich eigentlich als Plastik-Verweigerer? Menschen, die sich fleischlos ernähren, nennt man Vegetarier, oder gar Veganer, wenn auch auf andere tierische Produkte verzichtet wird. Nenne ich mich also "Naturarier"? Klingt doch gar nicht so übel und weist auf den Schutz der Natur hin ;).

Aber zurück zum Weltverbesserungsgedanken.
Meiner Erfahrung nach reagieren Menschen auf eine Lebensweise, die aktiv gegen Missstände im Alltag vorgeht, in drei Abstufungen:
"Wow, das finde ich ja toll, dass du das machst. Ich könnte das nicht."
"Das kann man doch sowieso nicht 100% konsequent durchziehen. Also hat es keinen Sinn."
"Boah, lass mich doch in Ruhe mit diesem Thema. Das geht mich doch nichts an! Kümmere dich lieber mal um den Weltfrieden!"

Deshalb gehe ich davon aus, dass Plastikfreiheit kein asketischer Lebensstil bleiben darf, sondern alltagstauglich, selbstverständlich sein muss.
Es müsste super einfach sein, Plastik freie Produkte im Supermarkt erwerben zu können.
Mir ist natürlich klar, dass die Industrie sich nicht einfach umstricken lässt. Offensichtlich sind Plastikverpackungen profitabeler als andere. Gegen Finanzvorteile kommt man mit moralischen Bedenken eher nicht gut an.

Wie wäre es also, wenn "Plastikfrei" zu einer ähnlichen Sparte werden könnte wie "Bio"?
In meinem Supermarkt um die Ecke gibt es Regale mit "normalem" Gemüse, und Regale mit "Bio"-Gemüse. Auch bei Fleisch und Co. gibt es "normales" und das mit dem "Bio"-Zeichen. Ich enthalte mich hier wertender Gedanken zum Thema "Bio".
Mein Punkt ist, dass die Zeit reif ist für die Unverpackt-Verfechter größer ins Geschäft einzusteigen.
Die Steigerung von Unverpackt-Laden könnte die "Naturverpackt"-Sparte sein.
Es gibt eine Menge Ansätze dafür. Plastikähnliche Stoffe aus Bambus oder Kaffeesatz habe ich schon gesehen, Papier ist ein Klassiker (Ja, ich weiß, dass dafür Bäume gefällt werden). Es gibt doch bestimmt kluge Leute, die auf kreative Alternativen kommen, um Plastik freie Verpackungsmöglichkeiten auf eine größere Basis zu stellen und Otto Normalverbraucher im Supermarkt zur Verfügung zu stellen, oder?
Ich werde wohl anfangen, alle möglichen Firmen mit Mails zu nerven, die zwar vielleicht nicht beantwortet werden, aber zumindest mal ein kleiner Impulsgeber sind.
Vielleicht erwachen ja jetzt auch all die "Naturarier" zu gesteigerter Aktivität, und wir machen gemeinsam eine Welle.

Zum Schluss noch die konkreten Hoch-Tiefs der vergangenen Wochen in Kurzform:

Mangelernährung. Bestimmt. Ganz bestimmt fehlt mir irgendwas, was ich nicht recherchiert habe. Wäre ich für sieben Wochen auf einen veganen Lebensstil umgestiegen, hätte ich mich informiert, welche Ersatzlebensmittel ich essen muss, um nicht an Eisen- oder Vitamin-B12-Mangel oder sonstigem zu leiden. Auf die Idee bin ich aber bei Plastik gar nicht gekommen.
Jetzt stelle ich fest: Ich esse fast keine Nüsse und so gut wie kein Fleisch, keinen Käse und wenig Milchprodukte, weil das alles fast ausschließlich in Plastik zu kriegen ist (wohlgemerkt: im Supermarkt, denn die Tage der großen Einkaufsrundreisen sind in meinem Leben gezählt).

Schokolade. Es gibt sie ohne Plastik und sogar mit extrem wenig nach Alu aussehenden Bestandteilen (z.B. Schokoriegel von Schokoliebe und Kinderschokolade (letztere muss ich aber auch boykottieren, weil ich bei Kakao wenigstens ein UTZ-Siegel sehen möchte). Leider ist das Angebot da sehr beschränkt, und von außen ist nicht immer ersichtlich, ob unter der Papp-/ Papierhülle Plastik verborgen ist. Habe schon mehrere Fehlkäufe getätigt.

Reis, Nudeln, Quark. Da wir als Familie natürlich gemeinsam essen und eigentlich nur ich Plastik faste habe ich in Bezug auf diese Lebensmittel manchmal Ausnahmen gemacht. Aber mit schlechtem Gewissen :).

Gemüse-Brotaufstriche. Mein Brot esse ich derzeit fast ausschließlich mit Butter, Gemüseaufstrichen aus dem Glas oder selbst eingelegten Rettichscheiben und Ähnlichem. Ich finde es lecker, und mir fehlt da auch nicht wirklich was. Außer dem Frischkäse :).

Snacks. Es ist echt gemein, wenn man einen Großteil der Woche in Veranstaltungen arbeitet, wo Snacks wie Kekse, Salzstangen und Süßkram gereicht werden. ALLES kommt aus Plastiktüten. Naja, das hilft mir beim schlank bleiben.

Das war´s für heute, ich muss jetzt was gegen die Kopfschmerzen tun, die ich habe.
Ach, Mist. Tabletten sind in Plastikhüllen verpackt...



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