Montag, 5. März 2018

Saubohnen und Wölfe im Schafspelz

Die vergangenen sieben Tage des Projektes “Sieben Wochen nackt” brachten mich dazu, mir von einem Verkäufer die Nutzung roher Saubohnen demonstrieren zu lassen, mich über Weichkäse zu ärgern und mir die Frage zu stellen, wovor sich eigentlich die Müsliproduzenten fürchten.
Außerdem war ich ziemlich inkonsequent. Nicht unbedingt aus Schwachheit, sondern aus dem Abwägen zwischen wegwerfen oder trotz Plastik essen heraus. Von Montag bis Mittwoch besuchte ich eine Konferenz mit Mittagsverpflegung, die in unseren Gemeinderäumen stattfand. Ich habe also gegessen, was auf den Tisch kam. Dazu auch die Reste dessen, was auf den Tisch kam - zuhause. Denn wer rettet die übrig gebliebenen Portionen vor der Biotonne, wenn nicht der Pastor mit seinen vielen Kindern? Ich habe mich in diesen Fällen entschieden, keine Lebensmittel unnötig verkommen zu lassen, auch wenn sie aus Plastikhüllen stammten. Bei der Konferenz war ich aber gleichzeitig sehr glücklich, dass eine Kollegin selbst gebackenen Hefezopf mitgebracht hatte - in den Kaffeepausen hätten die Kekse und anderen Leckerli aus Plastikpackungen mit sonst große Disziplin abverlangt.
Außerhalb der Konferenz gab es aber auch einige Einkaufssituationen, die für mich bemerkenswert waren. Zum Beispiel betrat ich zum ersten Mal einen winzigen Laden, in dem Gemüse und Spezialitäten aus Sizilien - angeblich aus eigenem Anbau - dargeboten werden. Der Verkäufer war sehr nett und zeigte mir gleich bereitwillig mit persönlichem Einsatz, wie man eine Saubohne verzehrt, ohne Blähungen zu bekommen (ich kannte Saubohnen bisher nur aus dem Kartenspiel "Bohnanza").
Ich kaufte etwas Gemüse und bezahlte auch nicht erheblich mehr als im normalen Laden.

Der nächste Punkt betrifft das Thema Käse.
Bei dem Versuch, im Supermarkt irgendeine Form von Käse zu erwerben, die nicht in Plastik verpackt ist, stieß ich auf einen Wolf im Schafspelz.
Ein Weichkäse, den ich sehr mag, schlummert in einer hübschen Hülle aus Pappe. Allerdings hatte ich vergessen, dass man - sobald man sie öffnet - ein schön in Papier und PLASTIK gehülltes Stück Käse vorfindet. Wie gemein.
Etwas Hoffnung habe ich noch bei einer Art Camembert, die, meiner Erinnerung nach, wirklich nur in Pappkarton und einem mit was auch immer beschichteten Papierchen daher kommt.

Interessant war es auf dem Gemüsemarkt. Ich fuhr extra zu einem großen Markt (am Maybachufer), wo Händler Obst und Gemüse in großen Mengen unverpackt und sehr preiswert anbieten. Das Obst war auch nicht das Problem. Aber wir waren leider sehr früh da, so dass wir die Händler zum Teil noch beim Auspacken ihrer Ware erwischten.
Und was musste ich da sehen? Die schönen, unverpackten "österreichischen Knackwürstchen" werden aus kleinen Plastikpackungen geholt und hübsch nackig auf die Theke gelegt. Original waren sie genau so verpackt wie sie bei Netto im Wurstregal liegen. Mein Vater bezeichnet solche Sachen als "Blasdeworschd". Echt enttäuschend! Allerdings haben wir selbiges auch schon bei Edeka an der Fleisch-Frischetheke erlebt, als die Putenschnitzel nachgefüllt wurden.

Die Anti-Plastik-Brille gab mir außerdem noch anderweitig zu denken.
So stellt sich mir zum Beispiel die Frage: Warum ist es möglich, Zucker, Mehl, Schokostreusel und andere Feuchtigkeits empfindliche Lebensmittel in Papiertüten zu verkaufen - Müsli jedoch nicht? Weder Cornflakes noch Öko-Bio-Vegan-Supergesund-Müslis scheinen ohne Plastikhülle erwerbbar zu sein. Gibt es dafür irgendwelche Hygienevorschriften, die das beeinflussen?

Und dann ist da noch der Punkt Plastik bei Non-Food-Artikeln.
Ich stehe vor schier unlösbaren Herausforderungen, wenn es um die Bereiche Geschirrspülen und Toilette benutzen geht.
Eine Plastik freie Lösung für die Waschmaschine kenne ich: Rosskastanien. Im Herbst habe ich ausprobiert, was ich mal auf einer Selbstversorgerwebseite gelesen habe: Ganz normale Rosskastanien, die man bei uns im Herbst von den Straßen sammeln kann, eignen sich als Waschmittel. Es funktioniert wirklich. Leider haben wir aber im Herbst nicht genug gesammelt, so dass ich jetzt nicht darauf zurückgreifen kann. Ich nutze einfach weiter das Mittel aus der Plastikflasche, das ich noch da habe, und steige danach vielleicht wieder auf Pulver im Pappkarton um.
Auch Händewaschen geht ohne Plastiktütenflüssigseife - die gute alte Handseife im Block tut es ja auch.
Aber Geschirrspülen? Tabs für den Spüler: Plastik umhüllt. Spüli zum Waschen mit der Hand? In der Plastikflasche. Kennt jemand dazu vielleicht eine gute Alternative (vorzugsweise für den Geschirrspüler ;))?
Und zu guter Letzt: Toilettenpapier. Etwas, worauf ich nicht wirklich verzichten möchte, auch wenn die alten Römer Schwamm und Wasser benutzt haben sollen.
Aber selbst die Recyclingrollen, die wir seit Jahr und Tag kaufen, stecken in einer Umverpackung aus Plastik. Mal sehen, ob ich irgendwo eine Alternative dazu entdecke.

Woche zwei im Projekt "Sieben Wochen nackt" endete passend: Am Mittwochabend holte eine Bekannte ihr Kind bei uns ab, auf das wir kurz aufgepasst hatten. "Fastest du Schokolade?", fragte sie bang. "Nein..." Erleichterung huschte über ihr Gesicht und mit einem strahlenden Lächeln überreichte sie mir als Dankeschön... eine Packung Schokobons.
Hach. :)





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